Köln, 26.07.2007: In der vergangenen Woche wurde in sämtlichen Medien über eine Studie zur Lohndiskriminierung von Frauen berichtet, die der für Soziales zuständige EU-Kommissar Vladimir Spidla in Brüssel der Presse vorstellte. Die wichtigsten Ergebnisse der Studie, wie sie von den Medien verbreitet wurden: - Frauen verdienen im Schnitt in der EU 15 Prozent weniger als Männer, bezogen auf den Stundenlohn. In Deutschland sind es 22 Prozent.
- Auch bei der Hausarbeit gibt es keine Gleichberechtigung: Männer kümmerten sich im Schnitt sieben Stunden pro Woche um den Haushalt, Frauen dagegen 24.
MANNdat e.V. hat diese Ergebnisse anhand der Studie, den Aussagen von Herrn Spidla und den Verlautbarungen von Politik und Medien kritisch hinterfragt.
Gerade die ungleiche Verteilung der Pflichten in der Familie soll laut Spidla für das Lohngefälle zwischen Männern und Frauen verantwortlich sein, weswegen er spektakuläre Pläne der EU ankündigte, Männer notfalls unter Zwang zu mehr Beteiligung an Familien- und Erziehungsarbeit zu bewegen unter anderem durch die Einführung eines verpflichtenden Vaterschaftsurlaubs.
Doch schauen wir uns zunächst mal die von Spidla beklagte Lohndiskriminierung an. Aufschlussreich ist vor allem das, was die taz hierzu meldete: Der für Arbeit und Gleichstellung zuständige EU-Kommissar Vladimir Spidla, der die Zahlen am Mittwoch in Brüssel vorstellte, zog eine gemischte Bilanz. Direkte Lohndiskriminierung, also ungleicher Lohn für gleiche Arbeit, sei in der EU fast ganz verschwunden.
Wir halten fest: Für die gleiche Arbeit wird also - von extrem seltenen Ausnahmen einmal abgesehen (die es aber für beide Geschlechter gibt) - auch dasselbe Geld gezahlt. Wenn Frauen dennoch im Schnitt EU-weit 15 Prozent weniger Geld verdienen als Männer, so kann man davon ausgehen, dass hierfür die Diskriminierung von Frauen als mögliche Ursache kaum in Frage kommt. Bedauerlicherweise scheinen dies einige Journalisten jedoch ein wenig falsch zu verstehen. So meldete etwa die Süddeutsche Zeitung: Sozialkommissar Vladimir Spidla stellte in Brüssel eine europaweite Studie vor, wonach Frauen bei der Bezahlung systematisch benachteiligt werden.
Frauen mit Kindern systematisch benachteiligt
Eben dies geht aus den anderen uns vorliegenden Quellen nicht hervor. Spiegel Online etwa schreibt: Spidla beklagte, dass Frauen mit Kindern in den meisten EU-Staaten bei der Entlohnung systematisch benachteiligt seien. Wenn überhaupt, dann also die Mütter und nicht die Gesamtheit der Frauen (immerhin sind rund 40 Prozent aller Akademikerinnen kinderlos).
Dass Frauen durch die Mutterschaft Gehaltsnachteile durch die längere berufliche Auszeit entstehen, liegt auf der Hand. Zu klären wäre jedoch, ob die langfristigen finanziellen Auswirkungen tatsächlich nur auf diese Auszeit zurückzuführen sind oder eher darauf, dass für diese Frauen die Mutterrolle einen höheren Stellenwert besitzt als die berufliche Karriere.
Zu untersuchen wäre auch, ob sich andere Unterbrechungen der Berufslaufbahn, wie etwa längere Krankheiten oder Arbeitslosigkeit, ebenso nachteilig auf die Entwicklung des Gehaltsniveaus über ein ganzes Berufsleben hinweg auswirken wie eine Schwangerschaft. Dies vor dem Hintergrund, dass Männer häufiger arbeitslos sind als Frauen und auch häufiger in gefährlichen Berufen tätig sind, woraus sich eine höhere Rate an Unfällen, Verletzungen, beruflich bedingten Krankheiten, langwierigen Rehabilitationsmaßnahmen und Invaliditätsfällen ergibt als bei weiblichen Beschäftigten. Auch eine Untersuchung der Auswirkungen des staatlichen Zwangsdienstes und den damit verspäteten Berufseintritt (inklusive Einbußen gesundheitlicher, finanzieller und freiheitlicher Art) wäre eigentlich interessant. Bedauerlicherweise geht die Studie auf derart männerspezifische berufliche Benachteiligungen mit keinem Wort ein.
In Teilzeitjobs abgedrängt?
Der tschechische Kommissar gestand ein, das Lohngefälle sei ein kompliziertes Phänomen mit verschiedenen Ursachen. So arbeiten ein Drittel aller Frauen, aber nur acht Prozent aller Männer Teilzeit. (Süddeutsche Zeitung) Ist es jetzt schon Diskriminierung, wenn jemand, der die Hälfte arbeitet, auch nur die Hälfte verdient? Immerhin scheint der EU-Kommissar selber einzusehen, dass sich das komplizierte Thema der Entlohnung verschiedener Tätigkeiten nicht so einfach auf die simple Formel Frauen werden systematisch benachteiligt vereinfachen lässt. Wie auch: In Deutschland beispielsweise verdienen Männer bei Teilzeittätigkeiten bis 18 Stunden pro Woche laut dem Genderdatenreport über 20 Prozent weniger als Frauen in vergleichbarer Tätigkeit - Was aber weder die Politik noch die deutsche Presselandschaft interessiert.
Zur häufigeren Teilzeitbeschäftigung von Frauen lohnt es sich, die Motive zu betrachten, aus denen heraus Frauen im Allgemeinen diese Beschäftigungsform wählen. So zeigt etwa der Teilzeitarbeit IAB-Kurzbericht 2005 auf, dass Frauen in Deutschland Teilzeittätigkeiten vor allem dann aufnehmen, wenn sie eine Familie gegründet haben. Der Anteil der Erwerbstätigen (wohlgemerkt: Männer und Frauen), die deshalb Teilzeit arbeiten, weil sie keine Vollzeitstelle finden, liegt in Ostdeutschland mit seiner angespannten Arbeitsmarktsituation demnach bei 54 Prozent, in Westdeutschland hingegen nur bei 11 Prozent. Und nach einer Studie des ISO-Instituts würden teilzeitbeschäftigte Frauen ihre Arbeitszeit im Schnitt gerne um 2,2 Stunden verlängern, wenn sie denn könnten. In Westdeutschland, wo teilzeitbeschäftigte Frauen auf ein größeres Alternativ-Reservoir an Vollzeitstellen zurückgreifen können, wünschen sich diese im Schnitt nur eine um 1,6 Wochenstunden längere Arbeitszeit. Eine Zahl, die nicht gerade darauf hindeutet, dass sie die Teilzeitbeschäftigung aus purer Not ausüben und weil sie dringend Geld benötigen. Dies ist eher in Ostdeutschland der Fall, wo man - unabhängig vom Geschlecht - häufig froh ist, wenigstens eine Teilzeitstelle zu erhalten. Verdient der Partner jedoch genügend Geld, wird der Teilzeitjob vor allem als geeignete Möglichkeit zum Dazuverdienst angesehen.
Warum arbeiten also die meisten Frauen in Teilzeit? Weil sie es als selbstverständlich erachten, dass der Mann das Geld verdient und die Familie ernährt, und das möglichst gut. Eine Verringerung der Teilzeit-Erwerbsquote von Frauen setzt also voraus, dass Frauen einmal ihr Rollenverständnis überdenken, sich davon verabschieden, den Mann als Ernährer auch auf Kosten seiner Nach Definition der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist Gesundheit der Zustand völligen körperlichen, geistigen, seelischen und sozialen Wohlbefindens. Gesundheit und Lebenserwartung - auszunutzen und häufiger bereit sind, die Familie zur Hälfte mit zu ernähren. Dies würde dann automatisch auch den Gehaltsabstand zu den Männern verringern.
Schlecht bezahlte Frauenjobs
Spidla wundert sich darüber, dass Supermarktkassiererinnen weniger verdienen als Lagerarbeiter im selben Beruf und dass ähnliches auch für Krankenschwestern bzw. Polizisten gilt. Er sieht darin eine indirekte Diskriminierung typischer Frauenberufe.
Hierzu ist zunächst festzuhalten, dass es in der EU eine freie Berufswahl gibt. Und wenn mehrheitlich Frauen Branchen wählen, von denen sie von Anfang an wissen, dass dort schlechter bezahlt wird, können sie sich natürlich nachher wenn sie denn möchten über die Konsequenzen ihrer persönlichen, freien Entscheidung ärgern (zumindest in finanzieller Hinsicht, es gibt ja noch andere Gründe für eine Berufswahl). Es ist jedoch eine Lüge zu behaupten, sie würden diskriminiert, weil sie Frauen sind. Im Übrigen gibt es auch genügend Berufe, die schlecht bezahlt werden und dennoch vorwiegend von Männern ausgeübt werden. Dazu zählen z.B. der Bau, das Transportgewerbe (Abkürzung für Lastkraftwagen, siehe auch Stichwort Güterverkehr.LKW-Fahrer), der Grünanlagenbau und die Wachdienste. Die Branchengerechtigkeit ist nicht gegeben, insoweit ist Spidla zuzustimmen. Falsch ist hingegen, dass es sich hier um eine Frauendiskriminierung handelt.
Auch die von Spidla bemühten Beispiele hinken, denn ein Lagerarbeiter verdient vor allem deshalb mehr als eine Kassiererin, weil die körperliche Anstrengung in seinem Beruf höher ist und ein Polizist deshalb mehr als eine Krankenschwester, weil das Risiko, einem Unfall oder Verbrechen zum Opfer zu fallen, bei ihm größer ist. Viele Männer sind förmlich gezwungen, mit ihrer Arbeitskraft ihre Familie zu ernähren. Gerade gefährliche, anstrengende und schmutzige Jobs, also klassische Männerjobs, sind vor allem deswegen gut bezahlt, um den Arbeitnehmern einen gewissen Anreiz zu geben, damit sie überhaupt jemand ausübt. Männer, die diese Berufe wählen, bekommen so natürlich mehr Geld als Krankenschwestern oder Kassiererinnen. Über die Schattenseiten solcher gut bezahlten Jobs schweigen sich die Medien hingegen gerne aus. Im Internet kann man sich eingehend in verschiedenen Quellen über das Gefahrenpotenzial verschiedener Berufe informieren und wird dabei feststellen, dass Verletzungen, Bezeichnung für Erkrankungen, die als Folge einer beruflichen Tätigkeit entstehen und häufiger als bei der Allgemeinbevölkerung auftreten. Berufskrankheiten, Todesfälle und Frühverrentungen schwerpunktmäßig bei klassischen Männerberufen auftreten. Freilich hat noch nie ein EU-Kommissar oder sonstiger Politiker die Männerdiskriminierung beklagt, die etwa darin zum Ausdruck kommt, dass EU-weit 97 Prozent aller Todesfälle, die auf Berufskrankheiten zurückzuführen sind, auf Männer entfallen. Obwohl die Tragweite dieser Art von Benachteiligung sicher weitaus größer ist als alle gläsernen Decken oder schlechtbezahlte Frauen(und Männer)-Teilzeitjobs zusammengenommen.
Feministische Klischees von Hausarbeit
Immerhin: Den Frauen will der tschechische EU-Kommissar, bildlich gesprochen, unter die Arme greifen. Er glaubt erkannt zu haben, dass das Lohngefälle zwischen Männern und Frauen stark mit der ungleichen Verteilung der Pflichten in der Familie zusammen hänge. Die FAZ führt das etwas genauer aus: Während Männer sich im Durchschnitt nur sieben Stunden in der Woche neben ihrer Arbeit auch um den Haushalt kümmerten, arbeiteten Frauen 24 Stunden zusätzlich im Haushalt. Frauen mit einem Teilzeitjob arbeiteten sogar 35 Stunden extra. Viele Frauen hätten deshalb keine Zeit dafür, sich weiterzubilden, und suchten sich von vorneherein Arbeitsplätze, die wenig voraussetzten und auch schlecht bezahlt seien, sagte der EU-Kommissar. Weil Frauen also so viel im Haushalt arbeiten und auf die Unterstützung der faulen Männer verzichten müssen, kommen sie nicht dazu, sich weiterzubilden oder sich lukrative Arbeitsplätze auszusuchen. So die Logik des Herrn Spidla.
Sie wirkt allerdings ein wenig weltfremd. Denn wie bereits erwähnt, klammern sich sehr viele Frauen an ein recht konservatives Rollenverständnis und lassen lieber den Mann das Geld für die Familie verdienen. Das erspart ihnen den Stress einer Vollzeit-Berufstätigkeit. Damit zu Hause nicht die berühmte Decke auf den Kopf fällt und sie nebenbei noch ein wenig Geld für sich selbst und die Familie verdienen können, üben viele von ihnen dann eine Teilzeittätigkeit aus. So bleibt ihnen viel Zeit jedenfalls viel mehr Zeit als den Männern - , sich um den Haushalt kümmern zu können, und so lassen sich auch die unterschiedlichen Zeiten erklären, die Männer und Frauen jeweils für Hausarbeit aufwenden.
Interessant ist in diesem Zusammenhang ein Blick in die Pressemitteilung zur Zeitbudgeterhebung des Statistischen Bundesamtes in Bezug auf die Doppelbelastung von Frauen. Hier heißt es: Nimmt die Frau von der Erwerbstätigkeit wegen eines Kindes zunächst einmal Abschied, steigt ihre Arbeitszeit im Haushalt um 4 Stunden auf gut 7 1/4 Stunden an. Bei den Männern erhöht sich die unbezahlte Arbeit nur um eine halbe Stunde. Allerdings haben Männer aufgrund ihrer Erwerbsarbeit eine höhere Gesamtarbeitszeit als ihre nichterwerbstätigen Partnerinnen. Sind bei Paaren mit Kindern die Frauen ebenfalls erwerbstätig, wendet sich das Blatt: Obwohl sie die Arbeit im Haushalt im Vergleich zu nicht erwerbstätigen Frauen um 2 1/4 Stunden reduzieren, haben erwerbstätige Frauen mit Kindern eine fast ebenso große Gesamtarbeitszeitbelastung wie ihre Männer. Wir können also feststellen, dass Väter egal, ob ihre Frau arbeitet oder nicht eine durchschnittlich höhere Arbeitsbelastung haben als Mütter: Nur wenn die Mütter selbst (vermutlich Teilzeit) arbeiten, ist die höhere Belastung der Väter nicht mehr so groß, als wenn die Frau zu Hause bleibt. Vor diesem Hintergrund ist es eine Dreistigkeit, stets nur von der Doppelbelastung der Frauen zu reden und Männern dafür auch noch den Schwarzen Peter zuzuschieben.
Das Bild von der an den Herd gefesselten Haushaltssklavin, der Glück und Selbstverwirklichung via Top-Karriere in internationalen Firmen verwehrt bleiben, weil sie für den Mann bügeln, kochen und waschen muss, ist nichts als ein feministisches Klischee, welches jedoch bezeichnenderweise von Politikern gerne verbreitet wird, die natürlich auch nicht die Frage in den Raum stellen, ob Männer nach einem Vollzeit-Arbeitstag überhaupt noch die Möglichkeit haben, die Hälfte der Hausarbeit zu übernehmen. Während die Klagen der Frauen über ihre Doppelt- und Dreifachbelastung nur zu gerne aufgenommen und in der Öffentlichkeit verbreitet wird, scheint man keine Probleme zu haben, den Männern genau jene Doppelbelastung zuzumuten.
Zum Vaterschaftsurlaub gezwungen?
Am absurdesten sind jedoch die Pläne, die Männer zum Vaterschaftsurlaub zu zwingen, um so auch ihnen berufliche Auszeiten zuzumuten und auf diesem verqueren Wege einen Beitrag zu mehr Lohngerechtigkeit zu leisten. Das erinnert an ähnlich unausgegorene Vorschläge aus jüngster Zeit, die Einkommensteuer für Frauen zu senken und für Männer im Gegenzug anzuheben. Beide Vorschläge werfen ein bezeichnendes Licht gehört zur elektromagnetischen Strahlung, es umfasst den für Menschen sichtbaren Spektralbereich zwischen UV-Strahlung und Infrarotstrahlung.Licht auf Freiheits,- Demokratie- und Rechtsstaatsverständnis feministischer Politikerkreise: Eine Zwangsbeglückung drastischer als im real existierenden Sozialismus mit einem als Gleichberechtigung getarnten Sexismus, und das ungenierte Hineinregieren in das Privatleben der Bürger.
Herrn Spidlas Gespür für Frauen und ihre Wünsche in allen Ehren: Aber würden sich diese ganzen Erfüllungsgehilfen des Feminismus doch nur einmal für kurze Zeit in Männer hineinversetzen, dann würde ihnen rasch klar, dass sie mit weiteren, Männer diskriminierenden Gesetzen nicht viel bewirken werden. Außer, dass immer mehr Männer begreifen, dass sie mit Lügen im Namen der Gleichberechtigung diskreditiert werden und ihre Neigung, Kinder in die Welt zu setzen, noch mehr dahin schwindet.
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Stand: 26. Juli 2007
Erstellt: 26. Juli 2007
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