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München, 27.08.2009: Nicht bei allen Vogelarten sind die Männchen für die Verteidigung des Brutreviers zuständig. Beim afrikanischen Grillkuckuck übernimmt offenbar das Weibchen diese Rolle. Forscher vom Max-Planck-Institut für Ornithologie in Seewiesen und der Universität Leiden haben nämlich herausgefunden, dass bei dieser Vogelart das Weibchen seinen Gesang ändert, wenn ein anderes Weibchen in das Revier eindringt.


Größere Weibchen können dabei tiefer singen als kleinere und so Eindringlinge durch ihren Gesang einschüchtern. (Behavioral Ecology and Sociobiology, 20. August 2009)
Grillkuckucke gehören zu einer der wenigen Vogelarten mit vertauschten Geschlechterrollen, bei denen in erster Linie die Weibchen singen. Im Gegensatz zu anderen Arten sind es hier auch die Damen, die mit einem prächtigen Brutgefieder um Partner werben. Sie verteidigen große Reviere, aus denen sie Konkurrentinnen rigoros vertreiben. Männchen sind dagegen willkommen - je mehr desto besser: Jedes Weibchen verpaart sich mit bis zu vier Männchen. Bereits vor zwei Jahren hatten Max-Planck-Wissenschaftler in Seewiesen entdeckt, dass das Sexualhormon Testosteron bei diesem Rollentausch eine wichtige Rolle spielen könnte. Grillkuckuck-Weibchen bilden nämlich in bestimmten Gehirnbereichen mehr Testosteron-bindende Rezeptormoleküle aus als die Männchen. Dadurch können geringere Testosteron-Mengen ausreichen, um bei den Weibchen Aggression und Revierverhalten zu steuern.

Nicole Geberzahn, Wolfgang Goymann und Christina Muck vom Max-Planck-Institut für Ornithologie, haben mit Carel ten Cate von der Universität Leiden den Gesang der Grillkuckuck-Weibchen im Südwesten Tansanias untersucht. Der Gesang der Grillkuckuck-Weibchen setzt sich aus Lautäußerungen zusammen, die lautmalerisch "whoot" und "k’tuc" genannt werden. In ihren Experimenten platzierten die Forscher Lautsprecher in die Mitte der Reviere und spielten den Vögeln Lautäußerungen eines fremden Weibchens vor, das vermeintlich in ihr Revier eingedrungen war. Die Revierinhaberinnen näherten sich daraufhin dem Lautsprecher und antworteten selbst mit Gesängen, während sich die Männchen im Hintergrund aufhielten und nicht in das Geschehen eingriffen.

Als die Forscher nun die Antwortlaute auswerteten, zeigte sich ein interessantes Ergebnis: Die Tonlage der Antwortgesänge war tiefer als bei spontan geäußerten Gesängen. Außerdem waren die "whoot"-Laute, die sie am häufigsten als Antwortlaute benutzten, länger, wenn die Weibchen durch die imaginäre Konkurrentin provoziert wurden. Je größer die Revierinhaberin war, desto tiefer klang ihr Gesang. Der Konkurrenz-Gesang der Grillkuckuck-Weibchen vermittelt Eindringlingen also möglicherweise wichtige Informationen. So werden diese abgeschreckt, ohne dass es zum Kampf kommt. "Fremde Weibchen können anhand dieses Gesangs zuverlässig erkennen, ob sich eine Konfrontation lohnt. Denn nur große Weibchen können auch tief singen", vermutet Nicole Geberzahn vom Max-Planck-Institut für Ornithologie in Seewiesen. Letztendlich haben nur solche "ehrlichen Signale" im Tierreich eine Chance fortzubestehen - sollten kleinere oder schwächere Artgenossen die Signale der Starken kopieren, würden sie schließlich doch auffliegen, und die entsprechenden Signale wären wirkungslos. "Bei den Grillkuckucken könnte die Ehrlichkeit des Signals dadurch garantiert werden, dass die Weibchen mit ihrem Gesang an die Grenzen der physikalischen Lautproduktion gehen", so Geberzahn.


Bild: Wolfgang Goymann

Autor: Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften e.V.

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Stand: 27. August 2009
Erstellt: 27. August 2009

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